Archive for October 2006

DFssgF 2

Von: rosa

November ist ein trister Monat. Selbst Weihnachtsfans fällt es noch schwer, sich festlich zu fühlen, Weihnachtshasserinnen leiden bereits unter Lebkuchenschwemme und Lichterkettendekorationen, und das Wetter ist auch nicht gerade das Beste.
Aufmunterung tut also Not. Nachdem seit der letzten Runde auch bereits ein gutes halbes Jahr vergangen ist, wird es Zeit fürs nächste Fresspäckchenverschicken mit dem eingängigen Namen DFssgF: Deutsche Foodblogs schicken sich gegenseitig Fresspakete!


(Logo von Wolfgang)

Hier nochmal die Spielregeln:

* Mitmachen kann, wer die Möglichkeit hat, das empfangene Päckchen irgendwo zu bloggen.

* Ihr mailt mir Namen + Postadresse + Blog-URL bis Montag, den 06.11.2006, 12 Uhr: rosa an schnuppensuppe.de .
Solltet ihr wichtige Wünsche haben (vegetarisch, zuckerfrei), die nicht allzu schwer zu erfüllen sind, bitte ruhig erwähnen, ich werde das weitergeben.

* Ich lose dann die Leute einander zu, und maile Euch eine Adresse, an die Ihr Euer Päckchen schicken sollt - ich versuche, das so hinzubiegen, dass die Päckchenpartner nicht aus der gleichen Region stammen, sonst ists ja langweilig. Außerdem sollen es andere Päckchenpartnerinnen als beim letzten Mal werden. Ich schicke auch die Blog-URL mit, damit man sich schon mal informieren kann, was für einen Geschmack die zu beschenkende Person wohl haben könnte.

* Aus Portokostengründen leider nur Teilnehmerinnen mit deutscher Postadresse! Für alle anderen gibt es Euro Blogging By Post.

* Päckchen packen: Um einen groben Anhaltspunkt zu geben, schlage ich vor, dass so 4-6 essbare Goodies, im Wert bis ca. 10 Euro enthalten sein sollten.

* Letztes Mal waren einige Leute im Urlaub oder im Stress, und mussten sich mit dem Päckchenschicken etwas Zeit lassen: Falls ihr das absehen könnt, mailt mir ebenfalls, und ich leite es weiter. Ich glaube, beim letzten DFssgF waren die Nachzüglerpäckchen kein Problem, es haben sich trotzdem alle gefreut.

* Sobald ihr ein Päckchen bekommen habt: Freuen, bloggen (mir Link mailen!) und essen!

Abschied 4

Von: rosa

* Eigentlich hat sich garnicht so viel geändert: Mein Kaufhaus am Hermannplatz sieht fast genauso aus und liegt jetzt am Rotkreuzplatz, der Nymphenburger Kanal ist ebenso grünlich-schleimig und müffelnd wie der Neuköllner, Döner heisst jetzt Leberkässemmel, aber das isst man als anständige Pseudoveganerin ja sowieso höchstens einmal im Jahr.

* Ein bisschen was hat sich unerwartet dann aber doch geändert: Der Neuköllner Durchschnittsbürger hatte seinen Waldi (Maannn, ey, jetz bell hier doch nich einfach die Leute an, sons geh ich bald nich mehr mit Dir raus!) erstaunlicherweise doch deutlich besser unter Kontrolle als der Münchner. Hier wurde ich jedenfalls innerhalb einer Woche schon zwei Mal von dumm kläffenden Fifis angefallen, deren Herr- bzw. Frauchen ziemlich hilflos am Halsband rumzerrten, um Schlimmeres zu verhindern.

* Der Hauptfaktor, an dem ich bislang festmachen kann, warum Berlin sich so urban, und München sich so, nun ja, überhaupt garnicht urban anfühlt, ist ein erstaunlicher: Fremde Leute auf der Straße reden miteinander! Jedenfalls reden sie mit mir, anfangs dachte ich noch, auf urbane Abwehr getrimmt, dass das bestimmt nur die lokale Stadtteilverrückte ist, die mich hier gerade komisch von der Seite anredet, aber nein: Die alte Dame im Bus wollte nur kurz mit mir übers Wetter plauschen. Seitdem passiert mir das alle paar Tage, und ich muss ja sagen: Ich find das nett. Inzwischen hab ich mich sogar schon ans Münchnerische Sie gewöhnt, dass ich am Anfang so schrecklich fand. In Berlin wird das distanzierte Du gepflegt, hier das herzliche Sie.
Nur von Leuten in meinem oder jüngeren Alter oder mit entsprechendem Habitus gesiezt zu werden, das kommt mir immer noch komisch vor, und ich duze instinktiv zurück. Hoffentlich hält die Münchner Kellnerschaft mich nicht für die lokale Stadtteilverrückte. Zur Sicherheit leg ich manchmal ein bisschen Berliner Akzent auf, beim Bestellen.

* "Grüß Gott" bringe ich allerdings immer noch nicht über die Lippen.

Zu gut zum Benutzen

Von: rosa

Hier gab es ja mal ein nettes Posting über Dinge, die "too good to use" sind, die also als edle Kostbarkeiten bewundert nie den profanen Weg ins Essen finden, bis, tja, bis sie irgendwann weggeworfen werden müssen.

Ein Umzug ist ja der beste Weg, diese Dinge zu entdecken, und sich entweder vorzunehmen, sie JETZT ABER DOCH und ÜBERHAUPT und VIEL ÖFTER MAL zu konsumieren, oder sich mit einer Träne im Augenwinkel endlich von ihnen zu trennen.

Meinen Umzug haben überlebt:



Aus einem mexikanischen Fresspaket: Mole (Kakaosauce) und Chipotles en Adobo (irgendwie lecker eingelegte Chilis oder so). Muss ich wirklich endlich mal was mit kochen, zur Mole hab ich leider noch kein vegetarisches Gericht gefunden (Schmortofu?), also muss vielleicht demnächst mal ein Stückchen Biohuhn dran glauben. Mit Chipotles gibts dankenswerterweise hier einiges an Rezepten, muss ich dringend mal eine Suppe mit machen, oder so.

Mit den polnischen, getrockneten Steinpilzen sollte ich bis Weihnachten einfach wöchentlich ein Risotto kochen (eine zweite Packung lagert noch im Schrank). Das leckere Arganöl kann man sich ja angeblich, wenn mans nicht übers Herz bringt, es zu essen, auch auf die Haut schmieren, und den guten Żubrówka (Büffelgraswodka) hebe ich auch immer für besondere Gelegenheiten auf, die nur irgendwie nicht kommen wollen.

Leider in den Müll mussten unter anderem:
- die Dose Rote-Bohnen-Paste, mit denen ich mal Hefeklöße (Baozi) füllen wollte, ganz wie in China!
- Dose Kimchi - wenn, dann muss man das frisch kaufen, so aus Dosen ist das meistens nicht so lecker
- halbe Flasche Fliederblütensirup (seufz!)
- sicher noch viel mehr, den Rest hab ich bereits erfolgreich verdrängt. Sonst kriege ich noch Alpträume von vernachlässigten Lebensmitteln, die aus dem Müll kriechen und mir ihr schlimmes Schicksal vorwerfen!

Vorschläge zur Verkochung der edlen Dinge nehme ich gerne entgegen!

Kuchenbacken

Von: rosa

Gefreut hab ich mich ja aufs Backen mit dem brandneuen Umluftofen. Und in der Tat: Bislang bin ich sehr zufrieden!

Es gab schon:



Einen versunkenen Birnenkuchen, an dieses Rezept angelehnt, mit Birnen statt Äpfeln und Walnüssen statt Mandelsplittern, und ohne Zimt. Sah nicht ganz so hübsch aus, und die Walnüsse wären im Teig statt obendrauf besser aufgehoben gewesen, ansonsten aber sehr lecker.



Einen Zwetschgenkuchen mit Walnusscreme, Rezept von hier, der wirklich ganz phantastisch und großartig schmeckt. Die Tarteform war leider noch in einer Kiste vergraben, deshalb hab ich auf eine Auflaufform zurückgegriffen, und der Kuchen war kaum aus der Form zu kriegen - dem Geschmack hat das aber keinen Abbruch getan. Sehr empfehlenswert!
Die Walnusscreme passt sicher auch zu anderem Obst, und wie die meisten Mürbteigkuchen find ich ihn am besten, wenn er einen halben Tag durchziehen und etwa weicher werden konnte.

Bubaspitzle mit Kraut

Von: rosa



Ich hatte ja bereits angekündigt, dass ich endlich mal wieder beim Wettkochbloggen im Kochtopf mitmachen wollte, das schicksalshaft diesen Monat das Thema "Oktoberfest" hat.

Bei mir gibts aber nichts Bayerisches (man soll das mit der Assimilation ja auch nicht gleich übertreiben), sondern was aus einer Region, die mir durch verwandtschaftliche Verflechtungen deutlich vertrauter ist: Dem Schwabenland. Da gibts Bubaspitzle (auch Schupfnudeln genannt, der schwäbische Name spielt darauf an, dass die Nudelform sowas hier nicht unähnlich ist) auf Festen ("Feschten") mit Kraut und Speck nämlich auf jedem Volksfest ("Hocketse"). Ich hab hier eine vegetarische Variante gekocht, das Kraut kann optional mit ausgelassenem Speck zubereitet werden, oder man erwärmt ein wenig Kassler ("Gselchtes", den Rest müsst Ihr aber bitte selbst übersetzen!) darin.

Sauerkraut verfeinere ich ja gerne mit allem Möglichen, und lass es etwas köcheln. Am besten ein paar Stunden, bevor es serviert wird, es profitiert vom längeren Durchziehen.

Zum Verfeinern von einem Pfund Sauerkraut (übrigens: Qualität kaufen lohnt sich! Aldi-Sauerkraut ist Obertinnef!) nehme ich:
Eine Zwiebel, Öl und eventuell Butter, einen Apfel, 200 ml Apfelsaft, 1 Lorbeerblatt, ein paar Wacholderbeeren, 1-2 TL Kümmel, 1 Brühwürfel, Salz, Pfeffer, und, nicht erschrecken, 1 TL Zucker.

Zwiebel in Ringe schneiden und in Fett kräftig anbräunen. Geschälte Apfelstücke und Gewürze zugeben.



Mit Apfelsaft angießen und Kraut hinzugeben. Eine Stunde auf kleiner Flamme köcheln lassen.

Dann ist das Kraut fertig und muss zum Essen nur noch kurz erwärmt werden.

Wir widmen uns den Bubaspitzle:
Bubaspitzle werden aus Kartoffelteig hergestellt. Im Netz kursieren die unterschiedlichsten Rezeptversionen, ich hab mir gedacht: Während die Kunst bei Klößen aus Kartoffelteig ist, die möglichst locker zu bekommen (was man durch so wenig Mehl und Bindemittel wie möglich erreicht), sollten meine Bubaspitzle deutlich fester sein. Ich war also recht großzügig mit Mehl, bis der Teig trockener als mein normaler Kloßteig war.

Für eine Pfanne voll (4 mittelgroße Portionen) habe ich ungefähr verbraucht:
300 g gekochte, geschälte, zermuste, mehligkochende Kartoffeln
120 g Mehl (kann variieren, hängt von Kartoffelfeuchte ab)
30 g Stärkemehl
1 Ei oder Eiersatz (Grieß könnte hier ganz gut funktionieren)
Salz, Pfeffer, Muskat

Zutaten verkneten und Mehl zugeben, bis der Teig nicht mehr allzu feucht und klitschig ist.
In einem großen Topf leicht gesalzenes Wasser zum Sieden bringen. Mit feuchten Händen aus dem Teig Minipenisse, äh, Bubaspitzle formen und ins Wasser gleiten lassen.


Mehr und weniger hübsche Bubaspitzle

Nach ein paar Minuten steigen sie nach oben und sind fertig. Aus dem Wasser heben und gut abtropfen lassen.
Zum Servieren finde ich es am besten, sie noch kurz in einer Pfanne mit Öl undoder Butter anzubräunen.



Bubaspitzle auf dem warmen Sauerkraut anrichten. Le-cker!

Loblied auf die gemeine Gemüsestulle

Von: rosa


Heute zum Frühstück: Fenchelstulle, Zwetschgen und Sojamilchkaffee.

Eins der Essen, die ich als Kind schon mochte, und durch meinen zeitweisen Pseudoveganismus wiederentdeckte: Gemüsebrot.

Ob roh (Gurke, Tomate, Paprika, Salat) oder gebraten / gedünstet (Karotte, Paprika, Fenchel, Kartoffel, Zucchini, Aubergine, Zwiebel, Knoblauch): Besser als die gemeine Käsestulle gefällt mir fast immer ein simples Gemüsebrot. Eher trockenes, hartes Brot wird dadurch saftiger und mit Vitaminen angereichert, auch frische Fluffibrote mit Kruste passen toll zu weichen oder knusprigen Gemüsestücken.

Abschied 3

Von: rosa

So langsam bin ich angekommen.

Ein Vergleich in Bildern erlaubt ein erstes Fazit:

Neukölln:


Neuhausen:


Naja, unentschieden, würde ich mal sagen. Neuköllner Altbauhausflur mit einem Hauch von Jugendstil (die wirklich hübschen, türkisen Wandkacheln erkennt man leider nicht allzu gut), der Neuhausener in einer für mich süddeutsch anmutenden, verzierten Gewölbeform. Mit hübschem, ebenfalls nicht sichtbaren, altem Kachelfussboden.

Am Ende des Neuhausener Flurs erahnbar: Ein Aufzug!!1!

Neukölln:


Neuhausen:


Die Aussicht: Klarer Punkt für Neuhausen.

Das lange, hohe Ding ist der Münchner Fernsehturm. Man kann links davon die Aufhängedingense für eines der wenigen Beispiele moderner Architektur, das mich immer wieder aufrichtig entzückt, erahnen.

Neukölln:


Neuhausen:


Was die Kochvorrichtung betrifft, war der Umzug leider ein herber Rückschlag. Zugegeben, Ceran säubert sich leichter, als so ein winkeliger, gitterbedeckter Gasherd. Und Saubermachen gehörte ja noch nie zu meinen Lieblingshobbies. Die vierteljährliche Herdreinigung wird nun also viel schneller vonstatten gehen.
Ebenfalls ein kleiner Trost: Der Backofen. Ich habe ja schon an vielen Stellen (1, 2) über den Gasherdofen geschimpft, und freue mich nun auf die Möglichkeiten eines Umluftofens mit Grilloption.

Kochen werd ich in den nächsten Tagen jedoch erstmal meinen Beitrag zum monatlichen Kochtopf-Event, der diesmal schicksalshaft das Thema "Oktoberfest" hat. Das Fest selbst ist ja seit gestern dankenswerterweise vorbei (die Dirndl! Die wollenen Wadenstutzen! Die betrunkenen Italiener und ihre Campingbusse!), aber als Freundin deftiger Küche und Neumünchnerin werd ich mir natürlich nicht nehmen lassen, teilzunehmen.