Quittentarte mit Butterkaramell (und Hindernissen)
Von: rosa

Um es vorweg zu nehmen: Dies ist das beste Rezept, das ich seit Jahren nachgebacken habe.
Und ich habe das erste Mal in meinem Leben Karamell zubereitet! Das ist ja to-tal einfach, warum hat mir das niemand früher gesagt?
Nachdem der Käsekuchen ja als Geburtstagspartymitbringsel bestimmt war, und ich nur ein Stück von ihm genießen konnte (das war auch schon am Samstag), gestern aber wieder Lust auf Süßes hatte, sollte ein neuer Kuchen her. Nur für michmichmich (vielleicht kriegt der Mitbewohner noch einen Haps ab, oder zwei), und diesmal werd ich eine Kuchenhälfte einfrieren.
Ich wollte also einen Kuchen machen, und hatte noch Quitten rumliegen. Wenn ich zu einer bestimmten Zutat(enkombination) ein Rezept eines bestimmten Genres (oder wie heisst das bei Rezepten?) suche, dann mache ichs so:
* Ich erinnere mich hoffentlich daran, dass ich mal in einem Kochbuch oder einem Blog ein solches Rezept gesehen habe. Gute Blogkandidaten, weil ich sie lese, und da eine Fülle an Rezepten vorhanden ist, die mich ansprechen, sind Chocolate & Zucchini, Chili & Ciabatta und der Amateur Gourmet.
* Falls das nicht der Fall ist, suche ich in einer online-Rezeptdatenbank. Nur selten füttere ich Google mit der Suche nach Rezepten (am ehesten noch die Newsgroup-Suche), meist schaue ich bei Chefkoch, Epicurious oder der Rezeptsammlung nach.
Bei der Suche nach einem Quittenkuchen stieß ich also auf dieses Chefkoch-Rezept: Quittentarte mit Butterkaramell.
Ich habe ein paar kleine Änderungen vorgenommen:
* Da der Guß bereits höllensüß ist (Zucker! Butter! Sahne!), habe ich die Zuckermenge im Boden halbiert, sowie die Prise Salz ca... verzehnfacht. Fast einen gestrichenen Teelöffel habe ich genommen, weil ich den Karamell-Salz-Kontrast einfach großartig finde.
* Auch im Guss habe ich die Zuckermenge auf 80 g reduziert.
* Weil ich keinen so eierigen Guss mag, habe ich eins der Eier im Guss weggelassen, dafür einen ordentlichen Schwupp Sahne mehr genommen.
Die Änderungen haben sich alle bewährt! Der Kuchen ist genau richtig süß, der Boden krümelig-butterig mit leichter Salznote, und der Guss hat eine angenehme Konsistenz.
So gehts:
Mürbteig bereiten und eine Tarteform damit auslegen.
Quitten schälen und in Scheiben schneiden.
An dieser Stelle wartete das erste Hindernis:

Quitten: Aussen hui....

... innen pfui!
Zum Glück konnte ich von den ca. 8 Quitten noch ein paar nicht-braune Stellen retten, und hatte noch ein paar Äpfel rumliegen, so dass ich meine spärlichen Quittenschnitze nochmal durch die gleich Menge Apfelschnitze ergänzt habe.
Kommen wir zum spannenden Teil des Kuchens. Quasi als Variante einer Tarte Tatin werden die Schnitze in Butterkaramell kurz gegart, bevor sie auf dem Tarteboden verteilt werden.
Also erstmal: Karamell machen!
Wie bei allen Dingen, die man zum ersten Mal selbstmacht, ohne je einem kochenden Vorbild zugesehen zu haben, erscheint das alles wundersam. Wie, dieser bröselige, feste Zucker soll einfach schmelzen? Und dann braun werden? Die phantastische Welt der Küchenchemie überstieg mal wieder die Grenzen meiner Vorstellungskraft.
Also rezeptgetreu Pfanne angeschmissen und Zucker reingerieselt. Es hat einige Minuten gedauert, bis sich was getan hat, aber dann war alles genau wie es ein sollte! Ich illustriere hier mal die wundersame Verwandlung von Zuckerkristallen in Butterkaramell (die Butter kommt hinzu, sobald der Zucker hellbraun geworden ist):





Karamell mit Butter: Spritzt wie Bolle, aber nur, bis die Butter geschmolzen ist, dann wirft das Blasen wie Bolle. Am besten schnell die Obststücke rein:

In dem Butterkaramell werden dann die Quitten- und Apfelscheiben für ein paar Minuten auf jeder Seite bei etwas niedrigerer Hitze gegart und dann auf dem gut gekühlten Tarteboden verteilt.

Der Butterkaramell wird mit Sahne aufgegossen und einmal aufgekocht, dann nach kurzem Abkühlen mit den Eiern verquirlt und über die Tarte gegossen.

Ahem.
Jedenfalls dachte ich gestern, dass das so geht.
Mein Irrtum erwies sich als das zweite Hindernis:
In genau dem Moment, in dem das Ding im Backofen stand, fiel mir nämlich auf, dass ich kurzerhand den Schritt des Boden-Vorbackens übersprungen hatte. Eigentlich gehört der vorm Belegen für 10 Minuten in den Ofen.
Egal, es war zu spät, um den Belag von der Tarte nochmal runterzukratzen, und so (gibt es nicht auch Tartes, bei denen der Boden nicht vorgebacken werden muss? Ja? Die gibt es doch auch!) buk ich ihn und drückte Daumen. Das half: Auch das zweite Hindernis übersprang die Quittentarte mühelos; Der Teig am Boden ist recht hell, aber durchgebacken und mürb-krümelig. Puh!
Also: Trotz Hindernissen ein ganz wunderbarer Kuchen, in dem der von mir heissgeliebte Quittengeschmack perfekt zur Geltung kommt. Den gibts in den nächsten Wochen nochmal, dann vielleicht rezeptgetreu.
Dazu passt ein Klacks Schlagsahne, und kräftiger englischer Tee ganz hervorragend.













