Grünes Thaicurry - "Gang Kiew Wan Gai"
Von: rosa

Fremdländische Gerichte, die ich noch nie fachkundig zubereitet gegessen habe, koche ich ja eigentlich so gut wie nie einfach auf gut Glück aus dem Kochbuch nach - mir ist immer wichtig, dass ich den angepeilten Geschmack des Endresultats kenne.
So hatte ich auch noch nie thailändische Currys mit Kokosmilch selbst gekocht, erst einmal, weil ich sie lange überhaupt nicht mochte: Als veganer, verkochter WG-Küchen-Gemüse-Tofu-Schlampf, oder in billigen Berliner Thai-Imbissen haben mir die Kokosmilchsaucen nie geschmeckt - die hatten irgendwie immer so ein muffiges Kokosflockenaroma. Oft war dann auch noch Dosenananas dabei - bluärgs. Also habe ich jahrelang Thaicurrys strikt abgelehnt. Bis ich vor ein paar Monaten entdeckt habe, dass bei mir um die Ecke ein angeblich gaaaanz tolles thailändisches Restaurant ist. Da war ich seitdem nun schon ein paar mal - und nachdem ich mich anfangs durch kokosmilchfreie Klassiker wie Pad Thai gegessen habe, musste ich natürlich auch mal von den (übrigens durchweg ananasfreien) Currys probieren, und was soll ich sagen: Nun bin ich bekehrt und liebe Kokosmilchcurrys! Offensichtlich aber nur, wenn sie gut gekocht sind.
Zum Anlass des aktuellen Currywettkochens habe ich mich also selbst an einem Thaicurry versucht. Immerhin weiß ich ja inzwischen, wie es schmecken soll, wenn es gut schmecken soll. Und es gibt schließlich zuverlässige Rezeptquellen: Das Internet! Zuerst habe ich mich natürlich durch die Curryrezepte vom Pim gelesen, und bin schließlich bei einem grünen Curry hängengeblieben. Kombiniert mit ausführlicher Beratung zu thailändischen Zutaten bei eGullet (und einem weiteren Curryrezept) habe ich schließlich meinen Erstversuch gewagt. Glücklicherweise ist er fast perfekt geworden! Auch glücklich war ich mit meiner fertigen Currypaste: Eigentlich wollte ich die ja (wenn schon, denn schon) auch selbermachen, die nette Anleitung bei eGullet hat mich jedoch überzeugt, dass das qualitativ nicht unbedingt vorzuziehen ist - dass man laut Pim Currypaste lieber nicht einfrieren soll, war ein weiteres Argument dagegen. Und glücklicherweise hat sich der kleine Asienladen bei mir um die Ecke auf günstige thailändische Zutaten spezialisiert - und bietet immer frisch importierte, lose Currypaste an. Damit ist das Gericht auch sehr schnell zubereitet.
Und so gehts, man nehme (2 sehr große bis 4 kleinere Portionen):

2 EL neutrales Öl
1-2 EL Grüne Currypaste
500 ml Kokosmilch (ich habe Mae Ploy genommen - mit 1,70 die teuerste Sorte in meinem Asialaden - aber ich wollte schließlich nichts riskieren)
400 g Hühnerbrustfilet (kann sicherlich angemessen durch weicheren Tofu, oder mehr Gemüse ersetzt werden)
1,5 EL Fischsauce (Squid Brand - war eher wenig salzig, und hat auch lange nicht so penetrant gerochen, wie alle schreiben - deshalb habe ich etwas mehr als die von Pim empfohlene Menge genommen) (es gibt übrigens auch "vegetarische Fischsauce")
20 g Palmzucker - eins der praktischen Scheibchen aus meiner Packung
250 g (Thai-)Auberginen
evtl. 1-2 Paprikaschoten
Thaibasilikum
1-2 Limetten

Schnuckelige Auberginen - ganz nah!
Alle meine Quellen wiesen darauf hin, wie wichtig bei der Zubereitung die richtige Kokosmilchbehandlung ist: Nach Anbraten der Currypaste in etwas Öl gibt man zunächst nur den abgesetzten "Rahm" der Kokosmilch hinzu (bei mir ca. 20 % des Doseninhaltes) und kocht unter ständigem Rühren, bis sich das Kokosöl oben absetzt. Dann gibt man den Rest der Milch hinzu - und rührt wieder, bis sich erneut das Öl absetzt. Dann erst kommen die restlichen Zutaten und Gewürze zum Garen hinein. Bei mir war zuerst kaum abgesetztes Öl zu sehen - nur ein paar wiiinzige Fettäuglein. Im Endprodukt sah man das oben schwimmende Kokosöl jedoch ganz deutlich - insofern habe ich wohl trotzdem alles richtiggemacht. Puh.
Als erstens jedoch: Alles in mundgerechte Stücke schneiden.

Bei immanenter Wurmgefahr auch die entzückend kleinen "Weintraubenauberginen" halbieren (ich hab noch zwei weitere Würmer gefunden!).

*Kreisch* - ein Auberginenwurm! Immerhin sind sie anscheinend bio.
Isst man Reis als Beilage (Jasminreis wäre die thailändische Variante), sollte man ihn an dieser Stelle aufsetzen.
Und los gehts, Pfanne anheizen, und immer schön rühren, nech:

Paste 1-2 Minuten anbraten.

Kokos"sahne" hinzu, 2-3 Minuten köcheln.

Rest der Kokosmilch rein, 2-3 Minuten köcheln.

Dann liegt die schwerste Arbeit auch schon hinter uns: Jetzt kommen nämlich nur noch Palmzucker, Fischsauce und das Fleisch hinzu. Die Pfanne auf kleine Flamme stellen - die Zutaten sollten in der Sauce sanft garziehen, aber nicht unbedingt mehr sprudelnd kochen. Das Gemüse nach einigen Minuten hinzugeben - je nach Garzeit bzw. gewünschter Knackigkeit. Meine Auberginen waren mir nach ca. 10 Minuten noch ein wenig zu hart, für die Paprikaschnipsel hingegen haben 5 Minuten vollkommen ausgereicht.

Am hinteren Pfannenrand gut erkennbar: Brav abgesetztes Kokosöl
Abschmecken - ich habe noch ein wenig nachgesalzen - und mit etwas aromatisch-scharfen Thaibasilikum und einer Limettenhälfte zum Selbstbeträufeln garnieren (mit dem Rest vom Thaibasilikum kann man prima 3-Tassen-Huhn machen). Miam! Ganz köstlich! Ich glaube, thailändische Kokosmilchcurrys werden mein neues Lieblingsessen.




