Archive for January 2008

Wiederentdeckte Klassiker

Von: rosa

Ein paar Dinge gab es bei meinen Eltern ja nie zu essen: Avocados, Tütenkartoffelbrei, Pudding oder Rotkohl zum Beispiel. Und es hat lange gedauert, bis ich Rotkohl mal selbst gekocht habe: Die schleimige, übersüßte, rote Pampe, die man so in Jugendherbergen und Landgasthöfen vorgesetzt bekam, hat nämlich wirklich nicht gerade nach mehr geschmeckt.

So lebte ich komplett rotkohlfrei - bis ich eine englische (!) Mitbewohnerin hatte, die begeisterte Rotkohlkocherin war. So selbstgekocht hatte der Kohl tatsächlich kaum noch was mit dem gleichnamigen Glasfras gemein.

Und so mach ich mir das seitdem immer ein paar Mal pro Winter: Rotkohl, mit geschmorter Zwiebel und 2-3 Äpfeln drin, falls welcher vorhanden ist, auch gerne einem guten Glas Rotwein - und ein wenig Nelken, Zimt, Brühe und Pfeffer.

Und seit ich endlich einen Kartoffelstampfer besitze, gibt es dazu, na was wohl:



Leckere Biokartoffeln, geschält und weichgekocht, mit Kochwasser, Sahne, Butter, Salz und ordentlich Muskatnuss zerstampft. Ich mags ganz gerne, wenn das Pürree noch einige Kartoffelstückchen aufweist.

Das sahnig-muskatnussige Pürree mit dem süß-säuerlichen Rotkohl schmeckt ganz wun-der-bar: Ein perfektes Essen für hungrige Wintertage.
Und es hat nichts, aber auch garnichts mit Pulverkartoffelbrei und Glasrotkohl gemein.

Bigos - polnischer Sauerkrauteintopf

Von: rosa

So - endlich gibt es mal wieder ein polnisches Essen bei der Schnuppensuppe (schon mal gebloggt hab ich z.B. Piroggen oder Łazanki), und zwar ein perfektes Wintergericht: Bigos! Dieser süßlich-kräftige Eintopf ist nicht nur ganz leicht auszusprechen (im Gegensatz zu beispielsweise "placki ziemniaczane" - Kartoffelpuffern - oder "barszcz" - Rote-Rüben-Suppe), sondern schmeckt auch köstlich. Wichtig ist die Kombination aus saurem Kraut, süßlichen Beigaben (meist Backpflaumen), Steinpilzen, und einer würzigen Fleischeinlage. Man kann Bigos natürlich auch fleischfrei zubereiten - muss damit allerdings auf die letzte Geschmackskomponente verzichten. Falls jemandem ein passender Ersatz einfällt, schreibt ihn gerne in die Kommentare. Ansonsten kann Bigos gut zur Resteverwertung - besonders von Fleisch - eingesetzt werden. Bis auf die Grundkomponenten (Kraut, Steinpilze, Backpflaumen) kann gerne frei variiert werden. So habe ich, weil ja übermorgen der Abgabeschluss zum Ingwerwettkochen ansteht, unorthodoxerweise am Schluss noch eine halbe Ingwerknolle.... nein, haha, war nur Spaß.
Ich habe allerdings mal von zwei spanischen Polen gehört, die darauf bestanden haben, dass ins Bigos Tomaten, oder zumindest Tomatenmark gehört: In der Tat finden sich im Internet viele Bigosrezepte mit, aber auch viele ohne Tomaten (und anscheinend wird die Frage nach dem Tomatenzusatz, wie man beim letzten Link sieht, auch in Polen heiß diskutiert). Meine Kochintuition weigert sich allerdings, Italien mit sauervergorenem Nordosteuropa zu mischen. Aber: Do as you wish!

Man nehme (für einen großen Topf, ca. 8 Portionen) ungefähr:

2 große Dosen / Gläser Sauerkraut (ca. 1500 ml)
1/2 mittelgroßen Weißkohl (ca. 700 g)
40 g getrocknete Steinpilze, eingeweicht
200 g Backpflaumen (oder ein paar Esslöffel Pflaumenmus)
1-2 Äpfel
evtl. noch 1-2 Zwiebeln
700 ml Brühe
Wein, falls vorhanden
Fleischeinlage; auf jeden Fall was Geräuchertes (Speck oder Wurst), aber auch gerne anderes, z.B. Schweinebauch macht sich sicher auch nicht schlecht, ordentlich fett sollte es allerdings sein.
Lorbeerblätter, Piment (ganz), Wacholderbeeren, Pfefferkörner
Öl / Butter / Schmalz (Schweineschmalz wäre ein passendes Fett für diesen deftigen Eintopf)

Und so gehts:
Kohl, Apfel und Zwiebeln fein schneiden. Im Fett andünsten.
Steinpilze u.U. etwas kleiner schneiden, Gewürze in einen Mull- oder Teebeutel stecken und verschließen. Sobald das Gemüse weich ist, Sauerkraut, Gewürze, Steinpilze und Backpflaumen hinzugeben.




Mit Brühe, Wein und dem Steinpilzeinweichwasser (Vorsicht: Unten lagern gerne viele, kleine Sandkörner!) angießen. Falls Fleisch oder Speck im Kraut gegart werden soll, oben auflegen. Ich hatte noch Speck übrig:


Deckel drauf, und mindestens 2 Stunden lang auf kleiner Flamme schmoren lassen. Wie viele Krautgerichte wird Bigos mit mehrfachem Aufwärmen immer schmackhafter - die englische Wikipedia meint dazu: "The flavor improves each time, peaking around the third day". Ich versuche, ihn vorm ersten Verzehr zumindest einmal etwas auszukühlen und erneut zu erwärmen.



Ich habe dann noch eine eingefrorene Bregenwurst (die mir im Oktober netterweise mal aus Norddeutschland importiert wurde) im Kraut gewärmt, dann Speck und Wurst in Stücke geschnitten und noch kurz im Bigos ziehen lassen. Am Schluss mit Salz, Pfeffer und Süßungsmitteln (ich habe noch einen Esslöffel Zuckerrübensirup hinzugegeben) abschmecken.
Mit kräftigem Roggenbrot servieren. Köstlich! Dazu schmeckt am besten ein Pils, hinterher (ach was, auch dazu, so macht man das schließlich in Polen) ein klarer, gut gekühlter Schnaps.



Triptychon mit Kaugummi

Von: rosa


(Click the picture for full triptych pleasure)

Den Wattekaugummi (mit Colageschmack) gibts im türkischen Supermarkt bei der Ankerklause in Berlin-Kreuzberg. Ich hab ihn L geschenkt, und L hat die hübschen Bilder gemacht. Über den Geschmack (der sicher all meine Leserinnen brennend interessiert) berichtet L hoffentlich demnächst hier in den Kommentaren.

Tortenstückasymmetrien

Von: rosa

Nach mehrtätigem Neuköllnurlaub, Weihnachts- und Jahreswechselkram, Bergwandern in Österreich (Russen! Alles voller Russen da!) und einmal Norovirus ist die Schnuppensuppe nun wieder halbwegs einsatzfähig.

Entsetzen stellte sich jedoch gerade beim Öffnen der Haselnusswaffelpackung (mitgebracht aus Österreich) ein:



Ein Entsetzen, das vielleicht nur andere Personen mit tief verwurzelter Mathematikneigung nachvollziehen können:
Die Tortenecken auf der Packung: Symmetrisch! Zwei gleichlange Schenkel, eine dritte, perfekt am Tortenrund orientierte, leicht abgerundete Seite.
Die Tortenecken im Reallife: Aaargh! Asymmetrie! Ein Dreieck mit drei vollkommen geraden, aber paarweise ungleich langen Kanten! Das Ding hier war niemals ein Torteneck, sondern wurde aus einem großen Rechteck herausgeschnitten, bestimmt, um so den Haselnusswaffelausschuss zu minimieren.

Und wieder wurde eine schöne Illusion durch die harte, ökonomische Realität zerstört. Gut geschmeckt haben sie glücklicherweise trotzdem!