Die neue Empfindsamkeit

Von: rosa


Symbolbild, Quelle: Wikimedia Commons

Gut. Es ist erneut soweit. Zwar besitze ich immer noch rosig-weiche Wangenhaut und wurde erst vor ein paar Wochen wieder "Bist Du denn schon achtzehn?" gefragt, kann nun jedoch ein weiteres deutliches Zeichen meiner physischen Alterung feststellen.

Ich muss nämlich, fürchte ich, nun langsam aufhören, koffeinhaltigen Kaffee zu trinken. So kann das nämlich nicht weitergehen. Ich habe es nun schon ein paar Mal getestet. Gestern Mittag zum Beispiel: Um halb zwei, nach dem Mittagessen, einen Espresso getrunken. Heute Abend zur Schlafenszeit dann: Mein Körper gab die üblichen Signale von sich (Schlappheit, Augen fallen zu, Müdigkeit), mein Gehirn jedoch so: Quiietsch! Ratter! Hey!! Nach anderthalb anstrengenden Stunden dann endlich irgendwie eingeschlafen. Um fünf wieder aufgewacht. Gehirn sofort wieder auf Hochtouren. Eine Stunde lang wieder versucht, einzuschlafen, dann drauf geschissen und sinnvollere Dinge gemacht. Surfen und Mailen also.

Nun habe ich natürlich große Angst, dass ich demnächst auch kein Alkohol mehr vertragen könnte. Ich frage mich noch, was die beste Strategie zur Alkoholüberempfindlichkeitsvermeidung ist: Selten trinken, damit der Körper die Ressourcen zur Alkoholverwertung immer wieder hübsch auffüllen kann? Oder versuchen, im Training zu bleiben?

Rosaveganismus explained

Von: rosa

Wollte ich ja schon länger mal aufschreiben.
Ein paar Fragen, meine Antworten.

Warum bin ich vegan?

Kombination aus Gründen:

- Ich probiere gerne Sachen aus, die nicht so unmittelbare körperliche Auswirkungen haben wie zum Beispiel, äh... ein Piercing. Ich finde das sehr spannend, hab zum Beispiel auch schon ein paar Mal gefastet (so richtig mit garnix essen, mindestens 7 Tage lang) und kann das nur empfehlen. Mit meinem Veganismus war ich dann während der Probezeit so zufrieden, dass ich ihn einfach behalten hab.

- Ein paar Freunde von mir sind oder waren vegan. Mit denen hab ich mich da öfter drüber unterhalten, und fand ihre Beweggründe einleuchtend.

- Ich grause mich vor der abstoßenden fleischverarbeitenden Massentierhaltungsindustrie. Ich fälle kein moralisches Urteil über andere, aber Billigfleisch, das nicht mehr wie Fleisch aussieht, zu konsumieren, und beim Anblick toter Tierteile oder Schlachthäuser extremen Ekel zu empfinden, halte ich für ziemlich schizophren. Wenn eine Gesellschaft eine große Fleischfressermehrheit aufweist, warum lernt man in der Schule dann eigentlich nicht, wie man ein Huhn schlachtet, verdammt?

- An dieser Stelle sind alle Vegetarierinnen übrigens sehr inkonsequent: Als ob für die Produktion von Eiern und Milch keine Tiere sterben müßten! Was passiert wohl mit den männlichen Küken, Jungrindern, und unrentabel gewordenem Getier? Und das gilt natürlich auch für viele Biofleischproduzenten!

- Billigfleisch schmeckt beschissen, und ich grause mich davor auch in zubereitetem Zustand.

- Nicht-Billigfleisch ist teuer. Könnte ich mir zur Zeit sowieso nur selten leisten.

- Bei manchen Leuten sollen Allergien besser werden, sobald sie sich vegan ernähren. Ich habe das Gefühl, dass mein Heuschnupfen ein bisschen besser wird, ganz verschwinden tut er leider nicht.

- Sobald man eingesehen hat, dass Tierprodukte zum Überleben nicht notwendig sind, beginnt man, sich nach Alternativen umzuschauen. Das war eine ziemliche Herausforderung und hat meinen Kochhorizont enorm erweitert. Schließlich leben weite Teile der Weltbevölkerung milchproduktfrei, von denen dann wieder große Landstriche vegetarisch, aus religiösen Gründen zum Beispiel, oder schlicht aus finanziellen, weil Fleisch ist überall teuer und kostbar. Außer in Billigsupermärkten der westlichen Welt.

Warum dann nur pseudovegan?

- Es ist oft einfach irre unpraktisch. Ich müsste mir jeden Tag meine veganen Stullen mitnehmen, wenn ich nicht sicher bin, dass ich unterwegs was veganes (außer trockenen Brötchen) bekomme. Das mache ich zwar oft, aber manchmal habe ich wirklich keine Lust oder Nerv. Viele Berliner Bäckereien, in denen es belegte Brötchen gibt, belegen auf Nachfrage aber auch eins nur mit Salat! Hab ich schon öfter ausprobiert.

- Mein emotionales Verhältnis zum Essen. Wenn ich wirklich Lust auf etwas habe, dann esse ich es auch. Immer. Und zwanzig Jahre Prägung auf wirklich ziemlich gute, eher gutbürgerliche Hausmannskost hat halt seine Spur hinterlassen. Richtig gelüsten tut es mir gelegentlich noch nach einem Stück Pizza (wenn es die mit derselben Würzung ohne Käse gäbe, würds die vermutlich auch tun), mütterlichen Rindsrouladen oder - seltener - so geil-cremigem Demeternaturjoghurt. Obwohl ich Präveganismus viel Käse gegessen habe, vermisse ich den äußerst selten. Bin ich eingeladen und es gibt nichts anderes, esse ich allerdings welchen.

- In Ausnahmesituation (beim Bergwandern beispielsweise, oder bei No-Budget-Drehs) esse ich sowieso, was mir unter die Finger kommt.

- Mit dem moralischen und gesundheitlichen Aspekt meines Vegandaseins kann ich gelegentliche Inkonsequenz aber prima vereinbarn. Schließlich bin ich schon einen großen Schritt gegangen, bin von ca. 250 Liter Milchprodukte im Jahr runter auf 5 Liter.

- Traditionelle Gerichte aus der Kindheit dürfen keinesfalls verändert und durch Ersatzprodukte entweiht werden! In Piroggen gehören Eier, in die Sauerampfersuppe (apropos, es ist bald wieder Sauerampferzeit, heißa!) Schmand, Grieben und Eier!

Ist das keine Mangelernährung?

- Nö. Man nenne mir einen Stoff, an dem man Mangel erleiden könnte.
Nur weil wir alle mit "die gute Milch!" großgezogen wurden, heißt das natürlich absolut garnicht, dass es nicht anders ginge. In Notzeiten, und damals, als die Besiedlung nördlicher Gefilde, in denen im Winter nix wächst, voranschritt, war es sicher eine unheimlich gute Idee, Milch zu konsumieren und als Käse haltbar zu machen. Man kann das also essen. Aber brauchen? Tut mans definitiv nicht.

- Das einzige, langfristig ernsthafte Problem, das in der neuzeitlichen Lebensmittelhygiene begründet zu sein scheint, ist wohl B12, wobei ein B12-Mangel auch oft bei Allesessern festgestellt wird und die Forschung noch nicht endgültig abgeschlossen ist (es gibt wohl aktiv-"natürliches" und synthetisches B12, letzteres ist leider das, was in fast allen Präparaten enthalten ist und eher schaden als nutzen soll). Da ich aber alles andere als konsequent bin, und eine Präveganismusblutuntersuchung, die ich aus anderen Gründen hab machen lassen, sehr hohe, perfekte Versorgungswerte mit allen kritischen Stoffen aufwies, mache ich mir wirklich überhaupt garkeine Sorgen.

Nimmt man damit ab?

- Nein. Ich jedenfalls nicht. Habe anfangs sogar ein paar Kilo zugenommen, weil mein Körper das plötzlich weggefallene Eiweiß über Nussfressattacken ausgleichen wollte. Ich habe mich dann zwei, drei Wochen lang durch große Mengen Studentenfutter gemampft, danach gingen die Fressflashs wie durch Zauberhand weg (sind auch nie mehr wiedergekommen), und ich hab die Kilos wieder abgenommen.

Ist das nicht ziemlich teuer?

- Bei mir nicht. Eher billiger. Ich habe vorm Veganismusdasein allerdings Milchprodukte und Eier meist in Bio gekauft, außerdem konsumiere ich fast keine Tierprodukteersatzprodukte, außer Sojamilch und im Sommer gelegentlich mal ne Tofubratwurst. Hülsenfrüchte, Nudeln, Reis, Nüsse, Obst, Gemüse, Tofublock fürn Euro beim Asialaden. Kostet nicht viel.

Noch Fragen?

Ab damit in die Comments!

[EDIT, 14.11.07: Inzwischen bin ich wirklich mehr pseudo als vegan. Besonders die komplette Veganisierung meiner Backlust hat wirklich nie geklappt.]

Function follows form

Von: rosa

Meist ist mir Aussehen ja total schnuppe und egal.

Während mir beim Erstkontakt mit Personen oder Gebäuden oder Webseiten schon mal so ein Gedanke wie "hübsch" oder "grausig" durch den Kopf huscht, nehme ich die äußere Form später überhaupt nicht mehr wahr. Solange nicht (hier hört die Personen-Analogie irgendwie auf) die Benutzerfreundlichkeit kaputt ist. Ich mit dem Ding also nur eingeschränkt das tun kann, wozu es da ist. Mein Blog hier finde ich auch eher häßlich, aber ich hoffe mal, dass noch keine Besucherin es wegen Benutzerunfreundlichkeit verlassen hat.

Ein Beispiel für großartiges Design und gräßliche Usability liefert hingegen leider die neue und schnieke Bibliothek der TU und UDK Berlin, in der ich gerade sitze. Ich kann in Bibliotheken ja eigentlich am besten geistig arbeiten. In der kontemplativen Stille, umgeben von - zumindest äußerlich - fleißigen Studierenden. Hier jedoch tippe ich gerade mit Taschentuch in den Ohren, um die brummelnden Hintergrundgeräusche wenigstens dämpfen zu können. Die Bibliothek ist nämlich - tolle Idee! - vierstöckig und komplett offen gebaut worden. Keine einzige Trennwand hindert die Geräuschkulisse daran, ihren Weg zu den verstreuten Tischinseln zu finden. Auf jedem Stockwerk eine Infotheke, Regale, Rechner, zuschlagende Türen und Sonderarbeitsplätze. Und an den Arbeitsplatzinseln (nie mehr als 24 Plätze) hält es dann - weil kein Argusauge einer Bibliotheksangestellten wacht - niemand für nötig, die Klappe zu halten oder Händies auszustellen, oder so. Pieps, pieps, Absatzklappern (Boden ist Laminat und kein Teppich - ebenfalls sehr schick, aber geräuschfördernd), Tastentippen, Händiegebimmel, unterlegt von einem Unterhaltungsgebrummel.

Dabei ist die Bibliothek so hübsch! Das Mobiliar grossartig, und genug Platz ist auch! Ich glaube, ich muss mal irgendwo einen Lesesaaleinbau beantragen.

Urks

Von: rosa

Das erste Mal seit Jahren die persönliche Grenze, nach der weiterer Alkohol keine gute Idee mehr ist, überschritten haben. Fürs nächste Mal merken: Bis zum fünften Bier unbedingt mitzählen, danach tunlichst nicht mehr weitertrinken.
Um halb fünf in die U-Bahn gek* haben.

Beschließen, nicht so schnell wieder mit trinkfesten und spendablen Engländern wegzugehen.
Beschlossen haben, mich jetzt in der Rekonvaleszenz zu befinden, und England durch Gucken der zum Schreien komischen Serie "The Office" zu rehabilitieren.


Bitte um Entschuldigung, wenn ich jemandem den Appetit verdorben habe.

Diese Nachbarn wieder

Von: rosa

Daß hier alles mögliche geklaut wird, was mal kurz unbeaufsichtigt im Treppenhaus rumsteht, bin ich ja schon gewöhnt. Aber daß dann ein Nachbar den vor meiner Tür stehenden und wegzuschmeißenden Sony Vaio - Karton aufpult (da wurde wohl auf ein Laptop spekuliert?), um reinzuschauen, und dann tatsächlich einen der darin befindlichen Softwarekarton mitnimmt, hätte ich nicht gedacht. Es handelte sich um Norton Antivirus für Windows 3.1, auf "nur 6 Disketten", und mit Handbuch. Hat sowas eigentlich schon historischen Wert?

Current kitchen obsessions

Von: rosa

Falls jemand eine hübsche deutsche Version des obigen Titel weiß, bitte in den Comments vermerken.

Es ist so: Ich hab immer so selbstgegebene Regeln und Verhaltensweisen, denen ich einigermassen obsessiv folge, und von denen ich mein Umfeld zu überzeugen suche.

Momentan im Angebot:

"Ein Spritzer Zitronensaft kann nie schaden!" - Habe in den letzten Wochen Zitronensaftspritzer auf Nudeln mit Pesto, Orangensaft, und mehrere belegte Brote appliziert. Bin immer noch fest davon überzeugt.

"Kalt gepresstes Öl auch nicht!" - Als Pseudoveganerin muß man schließlich schauen, wo die Kalorien herkommen. Ein guter Schuß auf jeden Teller Essen, solange es nur warm und herzhaft (im Gegensatz zu süß, beim Haferbrei konnte ich mich noch zurückhalten, da kam dann nur Zitronensaft drauf) ist.

"Mehr Kaffee ist immer gut!" - sollte ich auf meine alten Tage noch koffeinsüchtig werden?

"Mmmmhhhhmmmm.... Zigaretten!" Die Packung, die mir mein mit-dem-Rauchen-am-Montag-aufgehört-habender Chef am Montag geschenkt hat, verlockt mich jeden Tag mehr, auch ohne "Grund" (betrunken, es rauchen eh alle hier, es ist dunkel) so zwischendurch mal schnell eine zu rauchen. Hat jetzt nicht strikt was mit Essen zu tun. Ist eigentlich auch keine Obsession. Hm. Ich hab's: Aber seit Tagen fast ständig in meinen Gedanken präsent, also.