Jiaozi

Posted by: rosa

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Jiaozi: Die chinesische Variante von Ravioli bzw. Maultaschen. In China traditionell zum Neujahr gegessen (allerdings zum chinesischen Neujahr, dessen Datum schwankt: Diese Jahr beginnt es erst am 14. Februar). Kennengelernt habe ich Jiaozi, als ich mal länger in Beijing war, in Deutschland habe ich sie schon im "Selig" in Berlin oder im "Ni Hao" in München gegessen. Andere Rezepte kann man im kleinen chinesischen Kochbuch oder bei Barbara bestaunen. Nachdem ich letztes Jahr mit meinem Kollegen S. ins Schwärmen über die tolle, chinesische Küche geraten bin, hat er mich freundlicherweise mal zu sich nach Hause zum Jiaozimachen eingeladen. Er macht sie mit seiner chinesischen Frau und Tochter alle paar Wochenenden - allerdings immer nur am Samstag. Wegen der Sauce, die ca. eine ganze, zerstampfe, rohe Knoblauchknolle enthält, sollte man nämlich am nächsten Tag auf garkeinen Fall unter Menschen müssen.

Im Dezember war es endlich so weit: Ich bin an einem Samstag aufgebrochen, um mit S. und W. und W. Jiaozi zu machen.

Es gibt zwei Unterschiede zwischen Jiaozi und Ravioli oder Maultaschen: Zum einen kommt der Nudelteig ohne Eier aus - die einzigen Zutaten sind Mehl und Wasser. Der Teig sollte mindestens 1-2 Stunden lang ruhen, damit sich der Weizenkleber ordentlich entwickeln kann. Zum anderen wird die Füllung nicht vorgegart - die Teigtaschen werden mit rohem Fleisch gefüllt, die Füllung gart also erst während des Kochens. Auch die Füllung sollte 1-2 Stunden durchziehen, bevor die Jiaozi bereitet werden. Im Münchner Umland (so auch bei S. und W. und W.) gibt es zum Glück tolle Seen, um die man in etwaigen Teigruhwartezeiten einmal gemütlich drumrumspazieren kann.

Wir haben zwei verschiedene Füllungen gemacht, wobei mir die Chinakohl-Füllung ein bisschen besser geschmeckt hat, wegen des Ingwers und weil der Kohl die Fleischfüllung ein bisschen fluffiger und milder gemacht hat. Es waren aber beide toll. Als Faustregel nimmt man so viel Gramm Hackfleisch, wie Mehl. Als alternative Füllung hat W. noch Lammhackfleisch und Zwiebeln vorgeschlagen - klingt ebenfalls gut!

Also, man nehme für 4 hungrige Personen (nicht von der Menge abschrecken lassen - Jiaozi sind eigentlich nicht besonders mächtig, und auch, wenn ich nicht besonders hungrig bin, schaffe ich locker 20 Stück):
Füllung 1:
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Ein Blatt Jiucai, chinesischer Schnittlauch - wie man sieht, ist er nicht rund, sondern flach. Er schmeckt deutlich würziger und knoblauchiger als Schnittlauch.
350 g Schweinehackfleisch
2 Bund chinesischen Schnittlauch, Jiucai
2 EL Öl, 1 TL Salz

Füllung 2:
350 g Schweinehackfleisch
1 daumengroßes Stück Ingwer
2 Frühlingszwiebeln
1 Ei
ca. 10 kleine Blätter Chinakohl

Teig:
ca. 600 g Mehl (nur Chinakohl-Füllung: Etwas mehr, nur Jiucai-Füllung: Etwas weniger)
1,5 - 2,5 Tassen Wasser

Sauce 1:
20 Knoblauchzehen
4 EL dunkler chin. Reisessig
2 EL Sesamöl
evtl. Salz

Sauce 2:
4 EL dunkler chin. Reisessig
2-3 TL Chilipaste / Sambal Oelek

Und so geht's:
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Füllung 1: Hackfleisch mit Jiucai
Für Füllung 1 das Hackfleisch erst mit Salz und Öl mischen (denn: dann zieht die Füllung nicht so viel Wasser!). Dann den feingehackten Jiucai unterheben.

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Füllung 2: Erst Hackfleisch mit Ei, Ingwer, Frühlingszwiebeln verrühren....
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... dann Chinakohl fein würfeln...
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... und ebenfalls unterheben. Und immer schön in eine Richtung rühren!
Für Füllung 2 Ingwer, Frühlingszwiebeln und Chinakohlblätter ganz fein würfeln. Alles außer Chinakohl gut miteinander verrühren - am besten immer in eine Richtung! W. meint, sie hat das wirklich schon ausprobiert, es ist kein Aberglaube: Rührt man immer nur in eine Richtung, geht es viel schneller, bis sich die Zutaten gut vermischen. Am Schluss die Chinakohlwürfelchen unterheben.
Schüsseln abdecken und Füllungen 1-2 Stunden durchziehen lassen.

Für den Teig 700 g Mehl erst mit 1,5 Tassen Wasser verrühren. Langsam etwas mehr Wasser hinzugeben (bis 2,5 Tassen), bis man einen eher festen, glatten Nudelteig hat. Den Teig in Klarsichtfolie hüllen und mindestens eine Stunde lang stehen lassen.
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Teig kneten...
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...fertig!

Nach dem Seespaziergang aus dem Teig circa eurostückdicke Rollen formen. Von den Rollen ca. haselnuss- bis walnussgroße Stücke abdrehen. Die Stücke zwischen den Handflächen mit rollenden Bewegungen zu kleinen, symmetrische Untertassen formen. Die Untertassen werden dann von Helfer 1 mit dem Wellholz zu runden Teigplatten ausgewellt, Durchmesser ca. 8-10 cm.

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Erst kleine Knödel abreißen...
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... dann zwischen den Handflächen glattdrehen und kurz drücken, um kleine Teig-UFOs zu formen...
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... die dann weiter hinten zu schönen Teigkreisen ausgewellt, und vorne bereits befüllt werden.

Die Teigplatten mit je einem guten Teelöffel Füllung füllen und gut verschließen. Leicht bemehlen, damit nichts klebt.

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Füllung plattdrücken, dann zuerst zwei gegenüberliegende Seiten zusammendrücken...
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... bei den Lücken an beiden Seiten von der Mitte her zusammendrücken, damit alles dicht wird und möglichst keine Füllung in die Naht gerät...
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... fertig!

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Klar zu erkennen: Rechts die unförmigen Schnuppensuppen-Jiaozi, links die vom Jiaozi-Profi W.!

Inzwischen sollte man auch langsam die Saucen bereiten: Für Sauce 1 den Knoblauch zermörsern (sollte ca. 4 gehäufte EL ergeben), mit den übrigen Zutaten verrühren. Für Sauce 2 einfach beides zusammenrühren. Beide Saucen noch mit etwas Jiaozikochwasser verdünnen.
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Vorne: Sauce 1, hinten: Sauce 2.

In einem großen Topf viel Wasser sprudelnd aufkochen, dabei den Topf nur zu 2/3 mit Wasser füllen. Einen Krug mit kaltem Wasser füllen Circa 20-30 Jiaozi langsam ins Wasser gleiten lassen, kurz Rühren (immer in eine Richtung!), den Deckel drauf und wieder aufkochen lassen. Sobald das Wasser kocht, einen guten Schwupp kaltes Wasser hinzugeben. Das Prozedere noch zweimal wiederholen, die Jiaozi sollen insgesamt 3 Mal aufkochen.

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Alles kocht: Jetzt einen Schwupp kaltes Wasser rein.

Jiaozi mit einem Schaumlöffel aus dem Wasser heben und analog den Rest der Teigtaschen zubereiten.

Die Jiaozi mit der Jiucai-Füllung schmecken deutlich würziger - W. isst sie immer nur mit etwas Essig, oder trinkt ein wenig von dem Jiaozikochwasser dazu. Zu den milderen Jiaozi mit der Chinakohlfüllung passt die würzige Knoblauchsauce bestens.

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Sauce über Jiaozi geben - man beachte die stattlichen Knoblauchmengen! - oder die Taschen einfach hineinstippen, dann aber möglichst pro Person eigene Saucenschälchen bereitstellen, Tropfspuren sind sonst nicht zu vermeiden.
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Jiaoziinnenleben

Köstlich, die Dinger! Jetzt fühle ich mich endlich gerüstet, Jiaozi auch ohne chinesische Unterstützung mal selber zu machen. Da das Teigtaschenfalten alleine doch etwas länger dauert, bietet sich besonders an, das Ganze zu einem Kochtreffen mit Freunden auszubauen. Mit denen sollte man dann auch gleich den Rest des Abends verbringen, die Knoblauchfahnen verbieten jedenfalls eigentlich jede anderweitige Sozialisation.

Reste lassen sich prima mit ein wenig Öl aufbraten. Vielen Dank an S., W. und W. für das Kocherlebnis!
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Comments


Klasse, ich liebe diese Dinger! Hatte ich ja auf deine Empfehlung im Ni Hao gegessen. Alleine machen ist das allerdings eine Strafarbeit, hab ich auch schon einmal getan, allerdings nur für 2 ;-)
Die Japaner mögen das auch sehr - haben es so gut wie ungeändert importiert - und ich war schon häufiger auf "Gyoza Parties", allerdings immer mit fertiggekauften Teig. Ich bin noch weniger begabt als Du, was das Formen angeht... Ein Tipp: Wer beim Japaner nach chinesichem Schnittlauch sucht, sollte nach "Nira" fragen.
Die sehen so gut aus, und auf Ufos und Knoblauch stehe ich sowieso. Am besten macht man sich diese arbeit in einem Team.
Klasse! Das wäre doch mal ein Foodblogger-Abend - gemeinsames Jiaozi-Basteln. ;-)

Mir sind die mit Jiucai auch am liebsten; kriegt man hier nur so schlecht...
Wahnsinn, die wollte ich schon IMMER mal machen! Werde das mit Deiner Anleitung jetzt wirklich mal probieren. Wie sie schmecken sollen weiß ich immerhin schon vom Ni Hao...und wir Home-Office-Arbeiter haben auch kein Knoblauchproblem ;-)
(Ganz normales Mehl?)
Tiefe Verbeugung -
Und ein DANKESCHÖN!
Lange gesucht, und da werden sie mir
buchstäblich auf dem Silbertablett zum neuen Jahr serviert.
Jetzt auf auf in die Küche und...
ob sich das für mich alleine lohnt?
SUPERREZEPT - Herzlichen Dank und ein
gutes neues Jahr! Ich freue mich auf weiteres aus der Schnuppensuppenküche.
Sowas wollte ich ja immer mal selbst machen... Am Ende aber geht es nicht zum Essen..:( Ich versuche es auch diesmal, hoffentlich klappt es schon...
Ach, diese geringen Mengen Knoblauch können doch nicht erschüttern ;D Das gewürzige Huhn steht auch schon seit langem auf der Nachkochliste, nur weiter so und passende Rezepte aufgabeln!
Das Teigrezept hatte mir noch zu meinem Glück gefehlt, die Dumplings gabs bei mir schon öfters. Dankeschön, jetzt ist auch die Restangst vorm Teig überwunden. ;)
Dank an die Schreiberin für den super Bericht, es macht Freude, ihn zu lesen und die Bilder zu betrachten, er macht Mut, mich auch an den Taschen zu versuchen.
Bei mir im Garten wächst ein Kraut, das genau so aussieht wie das in Deinem Bild, ich nenne es Schnittknoblauch, Deine geschmackliche Beschreibung passt auch. Es gibt also vielleicht eine europäische Alternative zu den schlecht erhältlichen Jiaozi.
Die sehen unglaublich aus!
Ich würde am liebsten durch den Bildschirm greifen und mir eine Portion holen!!!
Werde ich auf jeden Fall mal nachkochen, auch wenn Neujahr schon vorbei ist ;)
Liebe Grüße
@Barbara: Wär ich sofort dabei :) Schließlich ist beim Jiaozi-Machen der Weg das Ziel: Wenn man keinen Spaß dran hat, über Friemelarbeit eine Stunde zu quatschen, sollte das lieber ganz sein lassen.

@Coriandre: Das Gute ist, man kann einfach weniger machen, dann ist es auch viel weniger Arbeit :) Und Jiaozi lassen sich prima einfrieren.

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