USA: Das Essen, NYC

Posted by: rosa

Natürlich wusste ich aus langjähriger Foodbloglektüre (einige meiner ältesten Lieblingsfoodblogs - z.B. der Amateur Gourmet und The Girl Who Ate Everything - werden von Amerikanern geschrieben), dass in den USA hervorragend gegessen werden kann.
Andererseits sind die USA aber auch Ursprungsland von grauslichen Kettenrestaurants und fettfreier Convenience-Küche.
Alles in allem war ich also doch ziemlich positiv überrascht, wie gut wir eigentlich fast immer und fast überall essen konnten.

Zwar gibt es an jeder Ecke einen Fast-Food-Schuppen, wenn man aber nur ein bisschen genauer hinschaut, schafft man es eigentlich immer, viel toller (und kaum teurer) zu essen. Einen Teil der Restaurants habe ich mir vorher im Internet zusammengesucht, wärmstens empfehlen kann ich für Inspiration vor allem die beiden obigen Blogs sowie das Forum Chowhound. Nicht mehr geschafft haben wir es leider zur Momofuku Noodle Bar (immer, wenn ich mal wieder über Bilder von den Pork Buns stolpere, fange ich fast an zu weinen), zu wirklich guten Bagels, und Cupcakes konnte ich auch nicht mehr probieren - andererseits könnte ich in New York aber auch wahrscheinlich einen Monat lang Urlaub machen, und hätte immer noch Sachen auf meiner To-Eat-Liste. Letztlich waren wir aber ja auch nicht ausschließlich zum Essen da.

Was gab's? Also:

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Diner-Frühstück! Ich esse morgens ja ganz gerne herzhaft, und hatte absolut kein Problem mit Spiegeleiern und Bratkartoffeln (= "home fries") mit Ketchup morgens um neun. Dazu Toast, schön wässriger Kaffee und Orangensaft: Herrlich!

Beide Lokale waren sehr empfehlenswert: Good Stuff Diner und Bonbonniere - beide in Chelsea, ersteres etwas schicker im Fünfziger-Jahre-Design und sehr günstig, die Bonbonniere sah aus wie seit Jahrzehnten nicht renoviert und hatte sehr viel Charme. Und ein tolles Publikum, hihi, als wir dort beim Frühstück saßen marschierte jedenfalls erstmal eine Kompanie Cops an die Bar und verhalf uns zu diesem tollen Frühstücks-Anblick:

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Rrrr! Never before have I felt that safe at a breakfast table.

Außerdem: Burger!

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Burger, Pommes, Sundae

Beim hippen Shake Shack (mehrere Locations: Wir waren beim Kiosk im Madison Square Park - nicht von den langen Schlangen abschrecken lassen, es geht ziemlich schnell!) haben wir Burger gegessen - für mich die vegetarische Variante, ein GROSSARTIGER Mushroom-Burger (ein Monsterchampignon mit Gruyere gefüllt, in Bulettenform gebracht und frittiert - mit ca. 3 Mal so viel Kalorien wie die Fleischvariante ein guter Beleg dafür, dass "vegetarisch" keinesfalls irgendwas mit "Abnehmen" zu tun hat), der Rindburger von S. war auch ziemlich gut, okayen Pommes, und einem phantastischen Nachtisch: Ein Sundae, also Eis (hier "frozen custard" - also gefrorene Vanillesauce) mit "hot fudge sauce", einer Schokosauce die durch das kalte Eis nicht komplett schmilzt, sondern leicht zäh wird, mit ungesüsster, frischer Schlagsahne drauf. Und Kirsche. Hach!

Einen ordentlichen Fleischburger gab es für mich aber auch noch:

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Burger mit Pommes für Rosa
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Lachs mit Risotto für S.

Der Lachs war ziemlich gut, der Burger aber out of this world: Mein bestes Essen der ganzen Reise. Von dem Restaurant Prune hatte ichin einigen Foodblogs gelesen (1, 2). Wie so oft bei Orten, von denen ich schon GANZ VIEL im Internet gelesen habe, war ich überrascht, wie winzig das Restaurant in Wirklichkeit war. Und das wäre auch schon mein einziger Prune-Kritikpunkt: Die Tischlein standen so dicht zusammen, dass ich mich ob der Enge kaum getraut habe, den Burger mit den Fingern zu essen.
Ansonsten: Ein Traum, der saftige, würzige, medium gebratene Burger! Wunderbar das Brötchen (bei dem es sich nicht um ein labberiges Standardbrötchen, sondern einen festeren "English Muffin" handelt) bestrichen mit einer knoblauchigen Kräuterbutter - phantastisch. Alles zusammen gab es für 12 Dollar, dazu Leitungswasser satt und einen entzückenden, leicht lispenden, großgewachsenen, spirreligen Kellner im rosa T-Shirt mit Afrofrisur. Hach!

Das Prune ist übrigens eine dieser typischen New Yorker Lokalitäten, bei denen ich mich beim ersten Anblick immer gefreut habe: Aaah, wie schön, dass ist ja auch mal etwas abgeranzt und garnicht so schick hier! Bis man sich dann doch zwischen lauter Anzugtypen und Modehäschen wiederfindet, und plötzlich merkt, dass die leichte Abgeranztheit komplett durchgestylt ist. So ein Laden ist das Prune auch ein bisschen, und eigentlich ist mir das dann doch wieder zu prätentiös und schickimicki. Aber bei so einem Essen kann ich da schonmal drüber hinwegsehen.

Außerdem: Chinatown!

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Naja!

Bubble Tea - einen süßen, milchigen Eistee mit Tapiokaperlen - musste ich auch endlich mal probieren. Naja: Wuärgs. Genauer: Der Tee war super, und neckisch ist es schon, wie diese Tapiokaperlen genau die richtige Größe haben, um mit dem Strohhalm aufgesaugt zu werden, aber diese leicht glibschigen, kalten, geschmacklosen, gelatinösen Tapiokadinger? Nicht mein Fall.

Während klar war, dass wir in New York wirklich nicht Italienisch essen müssen (das gibt es in München schließlich zur Genüge), wollten wir unbedingt asiatisch essen gehen. Durch Chinatown sind wir einen halben Tag lang gestreift, haben lustiges Obst und Gemüse bewundert, 10 köstliche Jiaozi für 2 Dollar als Zwischenmahlzeit erstanden, und haben gegessen: In Chinatown gab es mittags "soup dumplings" (naja, Dim Sum halt), und abends waren wir vietnamesisch essen bei Nam Son in Chinatown:

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Phở für S., und für mich ein köstliches Gericht, das aus kalten Reisnudeln, Frühlingsrollen, Schweinekoteletts und einer Essig-Fischsaucentunke besteht (und das es so ähnlich in München übrigens bei Lilys Bistro in der Dachauer Straße gibt):

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Mhmmm!

Auch in Japan gibt es Nudelsuppen:

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Kimchi Ramen!

Ein paar Tage später waren wir dann nämlich bei Sapporo, einer kleinen Nudelbar in der Nähe vom Times Square, phantastische Ramen essen (und als Vorspeise gab es die besten Gyoza - = Jiaozi- die ich je gegessen habe. schön ingwerig und würzig).

Was es außerdem noch in New York City gab:

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Monstorportionen für hungrige New-York-Besucher_innen

Südstaatenküche bei Pies'n'Thighs in Brooklyn! Der Laden ist in Williamsburg, nicht weit von der hipsterigsten Hipstergegend - das mit den Hipstern ist in New York aber irgendwie alles nicht so schlimm, weil man dort nur einmal um die Ecke biegen muss, um plötzlich nur noch Mexikaner, Koreaner oder orthodoxe Juden zu sehen. Also: Südstaatenküche! Frittiertes Hühnchen für den S., für mich ein Beilagenteller mit zahlreichen in Europa kaum erhältlichen Spezialitäten: Maccharoni Cheese, "collard greens" (eine Kohlsorte, die ähnliche wie Grünkohl schmeckt) und "black-eyed peas" - das war schon alles ganz lecker, vor allem aber: Viel!

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Horchata: Kalt und erfrischend.

Eine nette Zwischenmahlzeit: Horchata, eine Art Milchreis-Drink. Schmeckt leicht süß und schön zimtig, gibt es oft bei Burrito-Imbisswagen für wenig Geld zu kaufen.

Dann waren wir noch, nach einem Hinweis vom Segelfreund C. ("I always go there when I'm in New York, you have to check it out!") in der Lower East Side, nicht weit von Chinatown, Doughnuts essen, und Kaffee trinken:

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Amazing: Menü von Doughnut Plant.

In der Schlange hinter uns erstmal ein Typ aus San Francisco, der uns erzählt hat, er wäre extra für die Doughnuts angereist. Wir haben dann ein kleines Sortiment für's Frühstück eingekauft: Besonders toll war der Carrot-Cake-Donut, eine geniale Kreation außerdem der Creme-Brulee-Donut, mit zarter Vanillecreme gefüllt und krachigem Karamell glasiert. Außerdem wurden wir von C. noch zum um die Ecke liegenden Roasting Plant geschickt, einem tollen Coffeeshop in einer netten Straße, in dem man eine Bohnensorte wählt - und sehen kann, wie sie durch ein futuristisches Schlauchsystem in's Mahlwerk gesaugt wird und dann der Kaffee entsteht. Fancy!

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Schoko-Doughnut mit Kaffee: Frühstück für die Champions! Macht für eine Stunde sehr, sehr satt (vor allem will man nie mehr wieder irgendwas Süßes essen), nach 2 Stunden ist der Zucker dann aber abgebaut und man braucht dringend sofort was Herzhaftes.

Was gab es sonst noch so? Ein paar Klassiker: Wir waren öfter Pizza-Slices essen (wirklich gut!), Pastrami-Sandwiches gab es bei Katz's Deli (naja: entzückender, seit Jahrzehnten nicht mehr renovierter Laden, Pastrami war OK, wenn auch ziemlich teuer), Chili-Cheese- und Sauerkraut-Hotdogs außerdem karibische Rotis, und schließlich noch eine Reihe von nicht weiter bemerkenswerten Essen - schließlich war erstens das Hotelzimmer in New York schon teuer genug, außerdem wollten wir zwar oft, aber dann auch nicht immer einen Riesenumweg für wirklich phantastisches Essen machen.

Hach, New York. Würde ich da wieder hin? Jederzeit! Erstaunlich entspannte Leute, großartiges Essen, jede Art von Kultur, die man sich wünschen kann, der Ozean nur eine U-Bahn-Fahrt entfernt - für einen Städteurlaub meine wärmste Empfehlung!
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Kommentare:


Oh ja, Du hast mich bestärkt, dass die erste Städtereise, die wir machen, sobald wir die Kinder mal 1 Woche verkaufen können, unbedingt nach NY geht. Danke für Deine Eindrücke!! War damals in LA, leider bei einer FastFoodFamilie. Warst Du auch shoppen, oder nur schlemmen?
Yeah, das ist doch eine astreine New York Tour. Ich bin ein bißchen neidisch jetzt, aber über den Winter lassen sich ja immer prima Pläne schmieden.
Ich kriege Hunger auf alles, was Du hier fotografiert und beschrieben hast - genau in der Reihenfolge. ;-)

Danke fürs Mitnehmen - ich war nämlich noch nie in NY. Irgendwann muss ich das mal ändern...
Ohh, ich will da auch wieder hin ;-) Doughnuts essen und echte Burger und Fried Chicken und Pancakes mit Sirup und, und, und... Toller Bericht, dankeschön - auch wenn ich jetzt an einem akuten Anfall von Fernweh leide!

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