Burgertesting in München

Posted by: rosa

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Endlich wieder: Unterbelichtete, pixelige Bilder von meinen Essensabenteuern!

Juhu: Meine fabelhaften Musikmachkumpanen hatten mir zum Geburtstag in Anlehnung an die bekannte Schweinsbratentesting-Serie ein Burgertesting geschenkt. Am gestrigen Sonntag war es endlich soweit, und wir sind - im Regen und begleitet von Donneruntermalung - losgezogen. Das eigentlich eingeplante M.C.Mueller hatte leider zu - so sind wir stattdessen im Cosmogrill gelandet. Damit gab es auch bei allen drei Locations Bio-Fleisch. Zumindest angeblich - aber ich will nicht vorgreifen....

Als erstes mussten die Modalitäten geklärt werden: Während es beim Schweinsbraten hier in München ja einen Quasi-Servier-Standard gibt (Braten, Kruste, Knödel, Sauce, Krautsalat), ist das beim Burger nicht so einfach, sowohl Burgerbelag als auch die Beilagen variieren heftig. Wir haben uns dann entschieden, immer den Burger zu bestellen, der im jeweiligen Laden als Standard-Burger verkauft wird, mit der Standard-Kartoffelbeilage dazu - und zusätzlich (schließlich waren wir zu viert, und manche Teilnehmenden hatten große Sorge, dass drei Burger plus dreimal Beigaben geteilt durch vier Personen ihnen keinesfalls zur Sättigung gereichen würden) noch eine zweite Burgervariante solo, nach Geschmack und je nachdem, was die Karte so hergab.

Gestartet haben wir den Burgertest in der Schnellen Liebe:
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Lustiges Speisekartendeckblatt, Burger (mit Salat, Tomaten, Käse, Frühlingszwiebeln, Gurken-Relish, Mayo), Kartoffelspalten, Salätchen, Ketchup, Mayo

Atmosphäre wie Publikum (exaltierte CSD-ler, Glockenbachhipster und entspannte Normalos wie - haha - wir) waren hier schonmal sehr angenehm. Die Schnelle Liebe wirbt offensiv mit Bio-Fleisch, und was dann auf dem Teller gelandet ist, sah auch wirklich appetitlich aus.
Allerdings, das Fleischpatty konnte nicht wirklich überzeugen: Komplett durchgebraten, recht trocken und fast geschmacksfrei, und auch die ordentliche Sauce und der gute Bun haben da nix mehr rausreißen können. Der Zweitburger (mit Speck, Jalapenos und Lauch - eine Spitzenkombination!) war deutlich besser - das miese Patty hat dort also zumindest nicht weiter gestört.
Das Ganze war zwar wirklich schick angerichtet - dass die Kartoffelspalten ganz gut, aber angebrannt waren, und sowohl Kartoffel- als auch die Salatmenge eher spärlich ausgefallen war, hat auch nicht gerade zur Aufwertung geführt.

Insgesamt:
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26 Punkte für die schnelle Liebe! Joah - schon ganz okay und hübsch angerichtet, aber auch Bio-Fleisch kann man verhunzen, und die Beilagen haben ebenfalls geschwächelt.

Weiter ging's im strömenden Regen zur U-Bahn, die uns flugs zum Hans im Glück brachte, einen recht neuen und hochgelobten Neuhausener Burgerladen:
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Burger (mit Salat, Tomaten, roten Zwiebeln, "hausgemachter Sauce")! Pommes! Saucenpalette im Hintergrund!!1!

Eingerichtet ist dieser einigermaßen schick, wenn auch ein wenig unpraktisch - an den langen Tischen verhindern dekorative Birkenstämme eine Unterhaltung mit den Umsitzenden, und das schöne Holztablett mit einem leckeren Saucenrepertoire in der Tischmitte ist zwar erstmal beeindruckend anzusehen - durch die ziemlich unpraktischen Glasflaschen jedoch in Windeseile komplett eingesaut. Das Publikum neigt auch in die Schicki-Richtung, allerdings noch im erträglichem Maße. Das Fleisch ist laut Karte "von glücklichen Kühen aus unserer Region", aber weil das ja nun ziemlich nach Marketing-Bullshit klingt, habe ich mal nachgehakt. Und die Kellnerin meinte: Das Fleisch kommt von einem Hamburger Biohof (öhm - regional, not so much), und bekommt wegen des Transports nach München kein Bio-Siegel. Wieso kein bayerisches Fleisch genommen wird (hierzulande gibt es zwar allerlei religiösen Blödsinn, die Ächtung der Rindviehhaltung gehört allerdings definitiv nicht dazu), ist mir ziemlich schleierhaft, und auf der Karte dann eine regionale Fleischherkunft herbeizuschwindeln, geht natürlich garnicht.

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Saucentablett an Birkenstämmen

Aber, mhmm - die Pommes waren schonmal nahezu perfekt, mehlig, knusprig, frisch. Und das Fleisch war deutlich, deutlich toller als beim Liebeburger: Zwar auch hier nicht medium gebraten, sondern komplett durch, jedoch saftig, mit schöner Kruste, und, juhu, das Fleisch hatte tatsächlich intensiven Eigengeschmack! Die hausgemachten Saucen (Barbecue, Senf, Sweet Chili) waren super, nur störte das schon bemängelte Saucenflaschendesign, das dafür sorgte, dass Tische wie Finger in Kürze einem bunten Schlachtfeld glichen.
Der Zweitburger (mit zusätzlich Käse und Speck) hatte dem Basis-Burger kaum etwas voraus.

Die Bewertung:
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32 Punkte, es herrscht Einigkeit, und durchweg Bedauern, bei der Schnellen Liebe schon viel zu hoch eingestiegen zu sein - dieses hier war nämlich definitiv deutlich besser, eine 9 aber noch lang nicht wert.

Die kleinen Mängel: Das Fleischherkunftsbullshitting auf der Speisekarte, außerdem war das Patty deutlich kleiner, als der Bun (hat bei der notwendigen Burgerviertelung für große Probleme gesorgt, ist aber natürlich generell kritisierenswert), das Saucengeschmiere war etwas nervig, und der Laden könnte auch einfach etwas gemütlicher sein. Aber ansonsten: Really not bad!

Als Letztes sind wir dann (so fix es nach den uns schon langsam träge machenden Burgermahlen ging, aber die anwesenden Smartphones hatten uns eine Öffnungszeit bis nur 21 Uhr verraten) gen Cosmogrill gefahren:
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Und so schön ausgeleuchtet: Kartöffelchen und Burger (mit Cheddar, Estragon-Mayo, Tomatenrelish, Salat und Zwiebeln), und zwar...:
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MEDIUM gegrillt!!1! So muss das! Sollte dies gar der einzige Burgerladen gewesen sein, der keine Tiefkühlpatties verwendet?

Der Cosmogrill liegt mitten in der Innenstadt, und zwar in der Nähe der Maximiliansstraße, und das bedeutet: Dort, wo die allerschlimmsten Münchner Klischeeschickis rumlaufen. Nachdem der Grill auch nicht gerade billig ist, ist das Publikum leider entsprechend auf der eher unangenehmen Seite. Der Laden ist ziemlich clean und stylish eingerichtet, aber winzig und recht eng, und gerne mal auf der siffigen Seite (diese Schickis sind es schließlich gewohnt, dass ihnen jemand hinterherputzt). Und obwohl der Cosmogrill der einzige der drei Burgerläden war, in dem ich schonmal gegessen hatte, habe ich auch diesmal wieder fast die neckisch versteckte Klotür nicht gefunden.

Egal, zum Essen, das gut sichtbar und frisch in der offenen Küche gebrutzelt wird: Wunderbare Kartoffelhälftchen, die mit den Kräutern der Provence und dem Meersalz allerdings doch nicht ganz zum rustikalen Burgermahl passen wollten. Der Burger ist ziemlich großartig: Medium gebraten (yes!), schön saftig, mit Kruste und gutem Fleischgeschmack. Das Tomatenrelish ist himmlisch, der Bun allerdings ein wenig zu hart und teigig. Der Eistee, der beim Burgermenü dabei war, war ein totgesüßter, kalter, mit Erdbeer aromatisierter Hibiskustee - und somit ungefähr das grausigste Getränk, das ich mir so vorstellen kann, aber darüber wollen wir bewertungstechnisch mal gnädig hinwegsehen.
Der Zweitburger - mit süßlich-rauchiger Barbecuesauce und großzügig mit herrlich knusprigen Speckscheiben belegt - war ebenfalls wirklich, wirklich toll.

Insgesamt ergibt das:
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31 Punkte! S. war vom Fleisch hochbegeistert, ich fand es zwar besser als beim Hans, aber eben noch keine 9 wert (damn! Warum nur habe ich in der Schnellen Liebe bereits die... etc.), und die zwei Siebener fanden die Pommes im Hans deutlich, und das Fleischpatty dort immerhin ein bisschen besser.

Also: Ein seeehr knapper Sieg für's Hans im Glück. Und zwar ein ziemlich überraschender, zumindest für E. und T., die bislang nämlich größte Stücke auf den Schnelle-Liebe-Burger gehalten haben. Leider war die Burgerladengemütlichkeit umgekehrt proportional zur Burgerladenburgerqualität - das heißt, den besten Burgerladen haben wir noch lange nicht gefunden, und an den Prune-Burger kam sowieso noch nicht mal ansatzweise irgendwas ran. Ich fürchte allerdings, wir haben hiermit schon sämtliche Münchner Premium-Burger-Locations abgeklappert - oder haben meine werten Leser_innen etwa noch weitere Ideen?
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Kommentare:


Wir haben mal einen ziemlich guten Burger im Volksgarten (beim volkstheater) gegessen - allerdings schon etwa 2 Jahre her...
@ilse: Ehrlich? Obwohl's ja fast um die Ecke ist, war ich da noch nie. Kommt auf die Liste, danke für den Tipp!
vivo in haidhausen! da passen location und burgerqualiät!!!
Vivo! Kenn ich und mag ich sehr. Aber guter Burger? Mein Essen da war bisher immer so unterer Kneipenstandard. Muss ich dringend mal wieder vorbeischauen....
Der Prun-Burger sieht ja klasse aus!
Schade, dass das Fleisch meist überall so durchgebraten ist.
Und Hans im Glück probiere ich aus, danke für den Tip.
Wann gibts das nächste Burgertesting????

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